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Presse
22.04.2010, 10:53 Uhr | Das Blaumännle - Joachim Striebel Übersicht | Drucken
Hallenprojekt nicht stoppen
Andere Möglichkeiten suchen - Förderverein bietet Geld und Eigenleistungen an


Der fehlende ELR-Zuschuss soll das Projekt "Mehrzweckhalle Hochsträß" nicht zu Fall bringen, lautet die Meinung im Blaubeurer Gemeinderat. Die Stadtverwaltung soll nun prüfen, wie der Ausfall kompensiert werden kann.


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Die Mehrheit des Gemeinderats will sich vom Entwurf für die Hochsträß-Halle nicht verabschieden. Archivfoto (c) Blaumännle
Enge herrschte am Dienstagabend im Sitzungssaal des Blaubeurer Rathauses: 30 Bürger vom Hochsträß wollten hören, wie der Gemeinderat über den geplanten Bau einer Mehrzweckhalle denkt, nachdem das Projekt bei der Verteilung der Zuschüsse aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) leer ausging. Die Stadt hatte für das 3,7 Millionen Euro teure Vorhaben einen Zuschuss von 750 000 Euro beantragt.
"Der ELR-Zuschuss konnte gar nicht kommen", sagte Frieder Bohnacker (Grüne) und zitierte die Richtlinien. Darin heißt es, dass mit den Geldern Dörfer in ihrer Eigenart entwickelt und Ressourcen geschont werden sollen. Das sei bei einer Halle auf der grünen Wiese zwischen Beiningen und Pappelau nicht der Fall. Er sprach sich dagegen aus, das Loch mit Mitteln aus dem städtischen Haushalt zu füllen. "Die 750 000 Euro fehlen hinten und vorne", meinte Bohnacker, der auf anstehende Investitionen im Schulbereich verwies. Blaubeuren müsse sich gerade durch gute Bildung und gute Betreuung von anderen Städten abheben, um eine Zuwanderung zu erreichen, meinte Frieder Bohnacker.
Er forderte, einen neuen Standort zu suchen in Beiningen, um Erschließungskosten zu sparen. Der gewählte Bauplatz für die Halle basiere auf längst überholten Bevölkerungsprognosen, ergänzte Erika Schermaul (Grüne). Der Antrag der Fraktion, jetzt nichts zu entscheiden und das Thema zunächst bei einer nichtöffentlichen Klausurtagung zu diskutieren, wurde abgelehnt.
Gelinge es nicht, den fehlenden Zuschuss zu kompensieren, müsse nochmals über den Standort nachgedacht werden, meinte auch Hans-Dieter Vollmer (SPD). Die Stadt sollte Freiwilligkeitsaufgaben nicht ohne Zuschüsse durchziehen.
Mit einem anderen Standort sei nichts gespart, konterte der Beininger Ortsvorsteher Klaus Gerster. Denn die Stadt müsste dann Gelände kaufen, neue Pläne und einen neuen Flächennutzungsplan machen lassen. Für die Halle, so wie sie jetzt geplant ist, sind laut Gerster umfangreiche Spenden und Eigenleistungen angekündigt. Auch der Pappelauer Ortsvorsteher Hermann Zeller stellte fest: "Die Bevölkerung ist bereit, ihren Beitrag zu leisten." Er erinnerte daran, dass die Hochsträßbewohner seit Jahren auf die Halle warten. Es wäre nicht fair, die Diskussion von vorn zu beginnen, meinte Zeller.

Nicht verkleinern
"Die Halle muss jetzt gebaut werden", lautet Bürgermeister Jörg Seibolds klare Meinung. Kommunalpolitik habe viel mit Verlässlichkeit zu tun. Das finanzielle Fundament für das Bauvorhaben sei jetzt da, sagte Seibold. Er will sich nicht von dem gelungenen Entwurf verabschieden und auch an der Spielfeldgröße festhalten. "Sonst bekommen wir in Gerhausen Probleme." Letztlich stimmte der Gemeinderat mit 17 Ja- und zwei Nein-Stimmen (Grüne) dem Vorschlag der Verwaltung zu, nach Möglichkeiten zu suchen, wie die durch den Ausfall des ELR-Zuschusses entstandene Finanzierungslücke gefüllt oder verkleinert werden kann. Dabei wird auch im Entwurf der Architekten nach Einsparmöglichkeiten gesucht. Auch von der Ausschreibung eines Wettbewerbs mit Kostenobergrenze war bei der Sitzung die Rede.
Aus der Sportstättenförderung des Landes ist nicht viel zu erwarten. Für dieses Jahr sind keine Anträge mehr möglich, und 2011 stehen im gesamten Regierungsbezirk Tübingen nur zwei Millionen Euro zur Verfügung. Dieses Geld soll vor allem für Hallen mit Schulsport verwendet werden.
Der "Förderverein Mehrzweckhalle Blaubeurer Hochsträß" hat 100 000 Euro und Eigenleistungen zugesagt. Geprüft wird, ob es Sinn macht, einen "Betrieb gewerblicher Art" anzumelden, um von den Baukosten die Mehrwertsteuer abziehen zu können. Das käme dann schon dem fehlenden Zuschuss nahe, meinte Hans Jörg Kuhn (SPD). Die CDU-Fraktion hält davon nichts, denn anderswo seien schlechte Erfahrungen gemacht worden.
CDU und Freie Wähler bekannten sich eindeutig zum Bau der Halle, die für die 1310 Bewohner der Hochsträßorte und für die Handballmannschaften des TV Gerhausen gedacht ist. Ein Stopp wäre den Bürgern nicht zu vermitteln, sagte Erich Straub (FWV). Es sei schon eine Menge Vorarbeit geleistet worden. Reiner Baur (CDU) riet, keine Zeit durch weitere Zuschussanträge zu verlieren. Er meinte, dass bei einer ELR-Förderung nicht der Maximalbetrag von 750 000 Euro geflossen wäre. Ein Betrag von 400 000 Euro wäre realistisch gewesen, schätzte Baur.

aktualisiert von Martin Vonier, 28.04.2010, 10:55 Uhr

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